Die Frage kommt meistens im selben Wortlaut: „Unsere Website ist von 2018 — brauchen wir was Neues?" Die ehrliche Antwort lautet oft nein. Ein Relaunch ist kein Wartungsvorgang, den man alle paar Jahre fällig hat, sondern eine Investition, die einen Grund braucht. Und der Grund „gefällt mir nicht mehr" trägt selten die Kosten.
Dieser Artikel ordnet das ein: wann sich ein Relaunch rechnet, wie ein Projekt abläuft, warum danach so häufig die Google-Rankings einbrechen — und was Sie vorher aufschreiben müssen, damit Angebote überhaupt vergleichbar werden. Den vollständigen Rahmen für den Planungsteil liefert der Pillar Lastenheft erstellen; hier geht es um den konkreten Fall Website-Relaunch.
Wann sich ein Relaunch lohnt — und wann nicht
Ein Relaunch lohnt sich, wenn die bestehende Seite ein Geschäftsproblem verursacht, das sich nicht punktuell beheben lässt. Drei Fälle erfüllen das fast immer: Die Seite ist auf dem Smartphone unbrauchbar, Sie kommen ohne Dienstleister an keinen einzigen Text heran, oder die Technik ist so alt, dass Sicherheitsupdates fehlen. In diesen Fällen zahlen Sie das Problem jeden Monat mit — in verlorenen Anfragen oder in Rechnungen für Kleinstarbeiten.
Umgekehrt gibt es Situationen, in denen ein Relaunch schlicht Geldverschwendung ist. Wenn die Seite Anfragen bringt, technisch gepflegt ist und nur optisch aus der Mode gekommen ist, sind Sie mit gezielten Eingriffen deutlich günstiger dran: neue Startseite, überarbeitete Leistungsseiten, bessere Fotos. Der häufigste Fehler im Mittelstand ist nicht der zu späte Relaunch, sondern der zu große — ein komplettes Neuprojekt, wo drei Wochen Textarbeit gereicht hätten.
Ein Sonderfall verdient eigene Erwähnung: der Anbieterwechsel. Wer auf einem Baukastensystem sitzt und merkt, dass Ladezeit, Struktur und Erweiterbarkeit an eine Grenze stoßen, hat ein echtes Argument. Solche Umzüge haben wir mehrfach begleitet — nachzulesen bei unseren Referenzen. Wichtig dabei: Der Wechsel selbst bringt keine Rankings. Er entfernt nur die Bremse.
Machen Sie vor der Entscheidung eine Zahl auf: Wie viele Anfragen kamen in den letzten zwölf Monaten über die Website? Wenn Sie das nicht beantworten können, ist das Ihr eigentliches Problem — und ein Relaunch löst es nicht automatisch. Messbarkeit gehört ins Projekt, nicht danach.
Die sechs Phasen eines Relaunch-Projekts
Projekte scheitern selten an der Gestaltung. Sie scheitern daran, dass Schritte vorgezogen werden, die hinten gehören — typischerweise wird zuerst über Design gesprochen und erst kurz vor dem Start über Inhalte. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Bestandsaufnahme. Welche URLs gibt es, welche davon bringen Besucher, welche Seiten haben Backlinks von außen? Das ist die Datengrundlage für alles Weitere — und die Liste, aus der später die Weiterleitungen entstehen.
- Ziele und Anforderungen. Was soll die neue Seite leisten, das die alte nicht kann? In Sätzen, die man prüfen kann: „Anfrageformular mit Datei-Upload für Ausschreibungen" statt „modern und frisch".
- Struktur und Inhalte. Seitenbaum, dann Texte. Erfahrungsgemäß ist das die Phase, in der Projekte liegen bleiben, weil der Inhalt beim Kunden entsteht und dort niemand Zeit hat.
- Gestaltung und Umsetzung. Erst jetzt. Design auf fertige Inhalte ist schneller und besser als Inhalte in ein fertiges Design zu quetschen.
- Prüfung vor dem Go-live. Weiterleitungen, Formulare, mobile Ansicht, Ladezeit, Bedienbarkeit per Tastatur. Diese Liste wird abgehakt, nicht überflogen.
- Nachlauf. Mindestens acht Wochen lang Search Console und Zugriffszahlen beobachten. Fehler, die man in Woche eins findet, kosten wenig. Dieselben Fehler nach einem halben Jahr kosten Rankings.
Für eine mittelständische Unternehmensseite mit fünf bis zehn Seitenvorlagen sind acht bis sechzehn Wochen realistisch. Der Engpass liegt fast nie in der Technik.
Der teuerste Fehler: Rankings weg nach dem Go-live
Die häufigste Ursache für einen Sichtbarkeitseinbruch nach dem Relaunch sind fehlende oder falsche Weiterleitungen. Ändern sich URLs, muss jede alte Adresse dauerhaft (Status 301) auf die inhaltlich passende neue Adresse zeigen. Was in der Praxis stattdessen passiert: Weiterleitungen fehlen ganz, führen pauschal auf die Startseite, sind nur temporär gesetzt oder hängen in Ketten. Jede dieser Varianten kostet Autorität, die über Jahre aufgebaut wurde.
Besonders tückisch ist die Weiterleitung auf die Startseite. Sie wirkt auf den ersten Blick sauber — es entsteht kein Fehler 404 — aber Suchmaschinen bewerten sie als inhaltlich unpassend und geben die Signale der alten Seite nicht weiter. Für den Betreiber sieht alles funktionsfähig aus, während die Sichtbarkeit still verschwindet.
Die zweite Ursache wird noch seltener gesehen: Inhalt, der beim Redesign verschwindet. Aus einer ausführlichen Leistungsseite mit Ablauf, Zielgruppen und Fragen wird eine schöne Seite mit drei Absätzen. Für Besucher wirkt das aufgeräumt. Für Google fehlt genau die Substanz, für die die Seite rankte. Wer eine Seite kürzt, sollte wissen, welche Suchanfragen sie bedient hat — sonst optimiert man die Relevanz weg.
Konkret gehören deshalb in jedes Relaunch-Projekt drei Artefakte: eine vollständige Liste der alten URLs, eine Zuordnungstabelle alt zu neu, und ein Prüfprotokoll nach dem Start. Wer diese drei Dinge hat, übersteht auch einen Domainwechsel. Wer sie nicht hat, hofft. Wie eine Seite aufgebaut sein muss, damit sie überhaupt Anfragen erzeugt, steht im Artikel zu den Pflichtelementen einer Unternehmenswebsite.
Was ins Lastenheft gehört
Der Grund, warum Angebote für denselben Relaunch zwischen wenigen Tausend und mehreren zehntausend Euro liegen, ist selten die Gier eines Anbieters. Es ist die fehlende Leistungsbeschreibung: Jeder rechnet etwas anderes. Anbieter A kalkuliert fünf Vorlagen und Texte vom Kunden, Anbieter B zwölf Unterseiten samt Redaktion und Fotoshooting. Beide Zahlen sind korrekt — sie beschreiben verschiedene Projekte.
Vergleichbar werden Angebote erst, wenn alle dieselbe Grundlage bekommen. Für einen Relaunch gehören hinein: Seitenanzahl und Vorlagen, wer die Texte schreibt, wer fotografiert, welche Funktionen gebraucht werden (Formulare, Downloads, Konfigurator), wer die Weiterleitungen verantwortet, wie gepflegt wird — und was nach dem Start passiert. Der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft ist dabei mehr als Wortklauberei: Wer was beschreibt, entscheidet, wer haftet.
Wenn Sie nicht bei null anfangen wollen: Unsere Lastenheft-Vorlage steht kostenlos zum Download bereit und lässt sich für einen Website-Relaunch direkt verwenden. Wer lieber begleitet plant, findet den Rahmen in unserer Lastenheft-Beratung.
Barrierefreiheit gleich mitnehmen
Ein Relaunch ist der günstigste Zeitpunkt, digitale Barrierefreiheit einzubauen — und seit dem 28. Juni 2025 für viele Unternehmen ohnehin Pflicht. Nachträglich kostet dasselbe Ergebnis ein Vielfaches, weil Kontraste, Bedienbarkeit per Tastatur und Überschriften-Struktur im Fundament sitzen und nicht im Anstrich.
Ob Ihr Betrieb überhaupt betroffen ist, hängt an zwei Kriterien — reine B2B-Angebote und Kleinstunternehmen sind unter Bedingungen ausgenommen. Beides klärt unser Leitfaden zur barrierefreien Website. Wichtig für die Projektplanung: Schreiben Sie die Anforderung ins Lastenheft. „Erfüllt WCAG 2.1 Stufe AA" ist ein prüfbarer Satz. „Soll barrierefrei sein" ist keiner.
Was ein Relaunch kostet
Seriös lässt sich das erst nach der Bestandsaufnahme sagen, aber die Treiber sind immer dieselben — und die können Sie selbst abschätzen. Erstens die Zahl der Seitenvorlagen: Gebaut wird pro Vorlage, nicht pro Seite. Vierzig Unterseiten aus fünf Vorlagen sind fünf Baustellen. Zweitens die Funktionen: Ein Kontaktformular ist Standard, ein Konfigurator mit Preisausgabe ist ein eigenes Projekt. Drittens die Inhalte: Wer Texte und Bilder selbst liefert, spart den größten Einzelposten — und trägt dafür das größte Terminrisiko.
Was Sie beim Vergleich prüfen sollten, ist nicht der Endbetrag, sondern was nicht im Angebot steht. Sind die Weiterleitungen enthalten? Die Texte? Die Prüfung vor dem Go-live? Der Nachlauf? Ein günstiges Angebot, das diese vier Posten auslässt, ist kein günstiges Angebot — es ist ein unvollständiges.
Agentur oder selbst?
Die Frage wird meist als Kostenfrage gestellt, ist aber eine Verantwortungsfrage. Drei Dinge entscheiden über Erfolg oder Misserfolg: die Weiterleitungen, die Inhalte und die Prüfung vor dem Start. Wer diese drei intern besetzen kann, braucht keine Agentur. Wer es nicht kann, kauft nicht in erster Linie Gestaltung ein, sondern jemanden, der für genau diese Punkte geradesteht.
Unabhängig davon gilt: Lassen Sie sich die Zuordnungstabelle der URLs zeigen, bevor die neue Seite live geht. Sie ist der Prüfstein. Wer sie nicht liefern kann, hat den kritischen Teil des Projekts nicht bearbeitet. Wie wir Relaunches begleiten, steht auf der Seite zu Webdesign; wenn Sie unsicher sind, ob sich der Aufwand lohnt, klären wir das im Erstgespräch in einer halben Stunde — auch dann, wenn die ehrliche Antwort „lassen Sie es" lautet.
Nach dem Go-live: die ersten acht Wochen
Der Tag der Umstellung ist nicht das Projektende, sondern der Anfang der Phase, in der sich entscheidet, ob der Relaunch etwas gekostet oder etwas gebracht hat. Suchmaschinen brauchen Zeit, um die neue Struktur zu erfassen — in dieser Zeit werden Fehler sichtbar, die vorher niemand sehen konnte.
Vier Dinge gehören in den Nachlauf, und keines davon dauert länger als zehn Minuten pro Woche:
- Search Console täglich in der ersten Woche. Neue Fehler beim Crawling und bei der Indexierung tauchen dort zuerst auf. Ein sprunghafter Anstieg von „nicht gefunden" bedeutet fast immer eine vergessene Weiterleitung.
- Die wichtigsten zehn Seiten wöchentlich prüfen. Nicht die Startseite — die überlebt jeden Relaunch. Es geht um die Unterseiten, die vorher Besucher gebracht haben.
- Zugriffszahlen gegen den Vorjahreszeitraum halten. Ein Rückgang von zehn Prozent kann Saison sein. Ein Rückgang von sechzig Prozent ist ein technischer Fehler, bis das Gegenteil bewiesen ist.
- Formulare selbst absenden. Ausgefallene Kontaktformulare fallen oft erst nach Wochen auf, weil niemand merkt, dass keine Anfragen mehr kommen — man hält es für eine ruhige Zeit.
Ein leichter Rückgang in den ersten zwei bis vier Wochen ist normal und gleicht sich meist aus. Was nicht normal ist: ein Einbruch, der nach sechs Wochen unverändert bleibt. Dann liegt ein Fehler vor, und je länger er steht, desto mühsamer wird die Erholung. Wer hier gezielt gegensteuern will, findet den systematischen Rahmen unter SEO-Optimierung.
Und ein Punkt, der nichts mit Technik zu tun hat: Sagen Sie Ihren Bestandskunden Bescheid. Eine kurze Mail oder ein Beitrag auf LinkedIn, dass die Seite neu ist und wo man jetzt was findet, verhindert irritierte Anrufe und bringt genau in der kritischen Phase zusätzliche Besucher — die dann auch gleich zeigen, ob alles funktioniert.
Häufige Fragen zu Website-Relaunch
Wann lohnt sich ein Website-Relaunch überhaupt?
Wenn die Seite ein Geschäftsproblem verursacht: Sie ist auf dem Handy unbrauchbar, Sie können Inhalte nicht selbst pflegen, oder die Technik lässt sich nicht mehr aktualisieren. Wenn dagegen nur der Look nicht mehr gefällt, die Seite aber Anfragen bringt, ist ein Relaunch selten die günstigste Antwort — dann reichen oft gezielte Eingriffe.
Wie lange dauert ein Website-Relaunch?
Für eine mittelständische Unternehmensseite mit rund fünf bis zehn Seitenvorlagen sind acht bis sechzehn Wochen realistisch. Der größte Zeitfresser ist fast nie die Technik, sondern der Inhalt: Texte, Bilder und Freigaben. Wer Inhalte vorher fertig hat, verkürzt die Projektdauer erheblich.
Warum sind nach einem Relaunch oft die Google-Rankings weg?
In den meisten Fällen wegen fehlender oder falscher Weiterleitungen. Ändern sich URLs, muss jede alte Adresse per 301-Weiterleitung auf die inhaltlich passende neue zeigen — nicht pauschal auf die Startseite. Zweite häufige Ursache: Beim Redesign wird Text gekürzt, und damit verschwindet genau die Substanz, für die die Seite rankte.
Was kostet ein Website-Relaunch?
Der Preis hängt an der Zahl der Seitenvorlagen, der Funktionen und daran, wer die Inhalte liefert. Deshalb liegen Angebote für dasselbe Projekt oft zwischen wenigen Tausend und mehreren zehntausend Euro. Vergleichbar werden sie erst, wenn alle Anbieter dieselbe Leistungsbeschreibung bekommen — das ist die Aufgabe eines Lastenhefts.
Brauche ich für einen Relaunch eine Agentur?
Nicht zwingend. Entscheidend ist, wer die drei kritischen Punkte verantwortet: die Weiterleitungen, die Inhalte und die Prüfung vor dem Go-live. Wer das intern besetzen kann, braucht keine Agentur. Wer es nicht kann, kauft nicht Design ein, sondern Verantwortung für genau diese drei Punkte.
